Kreativwirtschaft ist in Graz und in der Steiermark bereits seit über 10 Jahren Teil der lokalen und regionalen wirtschaftspolitischen Strategien. Damit wird der steigenden Bedeutung von kreativer und inno­vativer Arbeit Rechnung getragen, die den Strukturwandel von der Produktionsgesellschaft hin zu einer Wissens-­ und Dienstleistungsgesellschaft begleitet und maßgeblich mitgestaltet. Die Arbeit der Zukunft wird wissensintensiv, hochspezialisiert und innovati­onsorientiert sein, womit auch die ökonomischen und soziologischen Rahmenbedingungen für die Kreativ­wirtschaft abgesteckt sind. Das erfordert wirtschafts­politische Weichenstellungen, um mit diesen Ent­wicklungen Schritthalten zu können, und es erfordert auch eine klare Haltung und ein klares Bewusst­sein darüber, was eine bewusste Akzentuierung der Kreativwirtschaft bedeutet und wovon eigentlich ge­nau die Rede ist, wenn man von Kreativität im All­gemeinen und von Design im Besonderen spricht. 

Der Begriff „Design“ kämpft im deutschen Sprach­raum mit einigen Schwierigkeiten, die hartnäckig die allgemein übliche Deutung des Begriffs verhindern oder zumindest erschweren. Die Konnotation des Entwurfs, der Skizze fehlt der deutschen Interpre­tation des Begriffs im allgemeinen Sprachgebrauch beinahe zur Gänze, was wiederum auch seine Be­deutung verschiebt – und zwar von der eigentlich relevanten Funktion der durchdachten Gestaltung hin auf die Ebene der oberflächlichen Verschönerung. Graz arbeitet jedoch seit der Bewerbung als UNESCO City of Design, die in das Jahr 2008 zu­ ruückreicht, daran, einen modernen und zeitgemäßen Designbegriff im Bewusstsein der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu verankern.


City of Design zu sein bedeutet für Graz nicht, oberflächliche Einmal­-Effekte zu erzielen, sondern Design als ganzheitliche Gestaltungsleistung wahr­ zunehmen, die alle Lebensbereiche durchdringt. De­sign, so die Prämisse, ist dazu da, das Leben der Menschen in erster Linie leichter zu machen, es dient also ausschließlich dem Menschen in seinen vielgestaltigen Lebens­ und Arbeitssituationen.

 

Alle Aktivitäten der Stadt Graz als UNESCO City of Design erfolgen vor diesem konzeptuellen Hinter­grund und parallel dazu in Übereinstimmung mit den Sustainable Development Goals der UNESCO, die ei­nen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituationen aller Menschen leisten. So legt die Stadt Graz beispielsweise bei aktuellen Stadt­ entwicklungsprojekten einen besonderen Fokus auf eine moderne und intelligente Infrastruktur. Das Pro­jekt „Smart City Graz“ umfasst zwei Areale (im Um­feld der Waagner­Biro­Straße in unmittelbarer Nähe zum Grazer Hauptbahnhof und Graz­Reininghaus im Westen der Stadt), auf denen die Vision einer energie­ effizienten, ressourcenschonendenundemissionsar­men Stadt mit höchster Lebensqualität verwirklicht wird. Der Grazer Gemeinderat hat 2013 die „Smart City“ im Stadtentwicklungskonzept als Grundsatz der Stadtentwicklung verankert. Im Quartier Smart City Graz Waagner Biro sollen bis zum Jahr 2025 rund 3.800 Menschen zusätzlich wohnen. Insgesamt wer­den 1.500 Arbeitsplätze geschaffen und 330 Milli­onen Euro werden in den neuen Stadtteil von pri­vaten Projektpartnern und der Stadt Graz investiert.

Design – in seiner umfassenden Definition – spielt in diesen Entwicklungsprojekten eine tragende Rolle und auch die standortstrategischen Überlegungen weisen Design und Kreativität eine Schlüsselfunktion zu. 3 Ziele stehen dabei im Fokus: Graz will erstens seine Rolle als europäischer Design­Hotspot aus­ bauen. Das stärkt den Ruf als Designstadt und un­terstützt die lokale und regionale Wirtschaft, auch abseits der Kreativwirtschaft im engeren Sinn: Design ist auch für Hotellerie und Gastronomie sowie für den Tourismus insgesamt von Bedeutung. 2016 verzeichnete die Stadt zum dritten Mal in Folge über eine Million Nächtigungen, was auch mit der Grazer Affinität zu Design, Kultur und Kreativität zu tun hat. So ist die Grazer Altstadt beispielsweise seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe, im Jahr 2003 war Graz europäische Kulturhauptstadt. Die Auszeichnung als UNESCO City of Design ist somit auch die konsequente Fortsetzung des einge­schlagenen Weges.

 

Ein weiteres strategisches Ziel ist – zweitens – die Forcierung von Design und Kreativität als Wirt­schaftskatalysatoren. Dafür ist Graz als Landes­hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum der Steier­mark in einer besonders günstigen Lage. Das Land Steiermark verfügt über eine ganze Reihe an wirt­schaftlichen Clustern, also gewachsenen wirtschaft­ lichen Stärken einer Region, und gilt als Pionier in Sachen Clustering. Vor allem in den Zukunftsfeldern und Leitthemen wie Mobility, Eco Tech, Health Tech oder Green Tech entstehen in Graz und in der Stei­ermark innovative Lösungen für zukünftige Heraus­forderungen, bei denen Design gleichermaßen als Entwicklungs­ und als Management­Tool eingesetzt wird. Das erfordert auch die weitere Stärkung von Graz als Bildungs­ und Ausbildungsstandort, an dem zahlreiche Design­Studiengänge angeboten werden, die Design in seiner gesamten Breite widerspiegeln und Design­Know­how auf einem Top­Level an die nächsten Generationen weitervermitteln.


Die Grazer (Kreativ­)Wirtschaft setzt – drittens – auf internationale Netzwerke als Erfolgsfaktoren. Ver­netzung ist vor dem Hintergrund des grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels von überragender Bedeutung. Als UNESCO City of Design bieten sich hervorragende Anknüpfungs­punkte nicht nur für die Kreativwirtschaft, sondern für das gesamte Spektrum der Wirtschaft in Graz und in der Steiermark. Voraussetzung dafür ist eine aktive Rolle als UNESCO City of Design, die unter­ streicht, dass Design und Kreativität in der Stadt mit Leidenschaft gelebt werden! 

 

Den umfangreichen Bericht finden Sie zum Download hier.