Customized Fences by H+S Zauntechnik

Der Zaun als Randerscheinung? Immer noch ist er Stiefkind von Architekten und Designern. Ein Zaun ist notwendiges, aber nur selten leidenschaftlich betrachtetes Element der Gestaltung. Seine Schutz- und Grundfunktion steht weit über gestalterischen – vor allem ästhetischen – Aspekten. Form follows function – es dominieren Ensembles aus Gittern, Maschen und Latten. Zäune sind gewissermaßen der letzte weiße Fleck auf der kreativen Landkarte. Weitgehend schmucklos präsentiert sich die Gestaltung von Zäunen heute.

In Partnerschaft mit der Creative Industries Styria beschloss die H+S Zauntechnik, gemeinsam mit Designern, Architekten und Holzbauunternehmen des Holzcluster Steiermark innovative Wege zu beschreiten. Der Zaunbauspezialist mit Sitz in Raaba-Grambach lud heimische Kreative ein, neue Zugänge und Projektideen zum Thema Holz im Zaunbau zu entwickeln. Über die Positionierung im Designbereich versucht das Unternehmen, künftig eine positive Differenzierung, eine höhere Bekanntheit und damit Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Im Rahmen des Designmonat Graz waren die Prototypen am ehemaligen Haupteingang des Joanneumsviertel, an der Neutorgasse 45, zu sehen. Die einzelnen Projekte können Sie hier einsehen.
Die Zusammenarbeit von H+S Zauntechnik mit Designern und Architekten ist bereits die zweite erfolgreiche Kooperation. Bereits 2018 wurden neue Zugänge und Projektideen entwickelt und im designforum Steiermark in der Ausstellung "Showcase 2018" präsentiert.

© Miriam Raneburger

SellaBerlin und Riegler Holzindustrie
Die Anordnung der einzelnen Holzelemente im Entwurf „Lino.z“ lässt den fließenden Eindruck einer Wellenbewegung entstehen. Ein dynamischer Effekt, der sich einen raffinierten Kniff im Zuschnitt der Holzlatten verdankt. Diese werden jeweils der Länge nach geteilt – in unterschiedlichen Anschnittwinkeln – und kommen um 90 Grad verdreht zum Einsatz. Je nach Anordnung sind dabei unterschiedlichen Zaundichten – von massiver Wand bis transparente Abgrenzung – und unterschiedliche Wellenlängen – kleine Welle, große Welle, Zufallswelle – möglich. Der Zaun soll nicht nur statisch wirken, sondern je nach Situation auch eine Lebendigkeit vermitteln.

www.sellaberlin.com
www.holz-riegler.at

© Miriam Raneburger

Hofrichter-Ritter-Architekten und MOHIK-Wertholz
Das Konzept setzt auf das Spiel mit dem Zufall, gleichzeitig ein Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung. Der Entwurf nimmt Anleihen in der Natur und übersetzt die Zufälligkeit naturgegebener Muster wie den Blick durchs Unterholz oder wild gewachsenes Gras in die Formensprache eines Zauns. Ein Zaun, der seinem logischen Daseinszweck der funktionalen Trennung gerecht wird und dennoch beide Seiten des Geländes miteinander interagieren lässt.

www.hofrichter-ritter.at
www.mohik-wertholz.at

© Miriam Raneburger

Martin Mostböck und Sägewerk Salleger
Die spezielle Anordnung unterschiedlich breiter Holzlatten erzeugt eine Strichcode-Optik und bedient sich damit einer längst allgegenwärtigen Ästhetik unserer Alltagskultur. Ein Balanceakt aus bewusst zurückhaltender und dennoch markanter Formensprache. Ziel war es, mit dem Zaun eine Form zu finden, die das Grundstück zwar deutlich umgrenzt, ohne aber in seiner Wirkung mit der Architektur des Gebäudes dahinter in Konkurrenz zu treten.


www.martin-mostböck.com
www.sallegger-holz.at

© Miriam Raneburger

Zweithaler
Ein ebenso ganzheitliches wie technologisch zukunftsweisendes Konzept liefert der Entwurf „Framework“ des Grazer Designduos Zweithaler. Das modular aufgebaute und individuell konfigurierbare System betrachtet einen Zaun als Schnittstelle für Personen, Fahrzeuge, Material und Information. Der Zaun als Interface zwischen öffentlichem und privatem Raum, die miteinander interagieren bzw. physischen Austausch stattfinden lassen – ob in Form von Paketen, Post oder Abfall. Für sämtliche Austauschprozesse an der Grundstücksgrenze stellt das Zaundesign funktionale Lösungen parat. Trotz der Multifunktionalität des Zauns wird ein einheitliches Erscheinungsbild gewahrt.

 

www.zweithaler.at

© Miriam Raneburger

Giselbrecht + Partner Architektur
Die Grenz- und Schutzfunktion eines Zauns mit einer freundlichen Geste zu verbinden, war der Ausgangspunkt dieses Entwurfs des Grazer Architekten Ernst Giselbrecht. Dieser basiert auf im rechten Winkel geknickten Nirosta-Rohren, die zweireihig im Fundament verankert sind. Stirnseitig sind die Enden der Rohre mit LED-Leuchten sowie Bewegungsmeldern ausgestattet, die eine spielerische und dynamische Wirkung garantieren. So wird es dem Zaun möglich, mit seinem Licht vorbeiflanierenden Passanten jenseits des Zauns zu folgen und ihnen den Weg auszuleuchten. Der Zaun begleitet einen Besucher des Grundstücks gleichsam wie einst ein Diener mit einer Lampe.

 

www.giselbrecht.at

© Miriam Raneburger

Giselbrecht + Partner Architektur
Das zweite Konzept von Ernst Giselbrecht greift die Ästhetik übereinandergelegter Steine auf. Nach dem Vorbild von Steinmauern in mediterranen Ländern werden in diesem Entwurf Metallrohrstücke unterschiedlicher Durchmesser zusammengefügt, die ein facettenreiches Muster ergeben. Die „Rohrmauer“ überzeugt nicht nur optisch, sondern auch durch ihre nachhaltige Herstellung: Die verwendeten Rohre stammen von Ausschüssen der Industrie, unter anderem auch von der H+S-Schwester AVI, einem Stahlproduzenten.

 

www.giselbrecht.at

© Miriam Raneburger

Studio Thomas Feichtner
Im Entwurf von Thomas Feichtner sind zwei verschiedene Metallmuster – zueinander versetzt – in einen Rahmen gespannt. Die auf der Geometrie von Sechsecken basierenden Muster erzeugen dabei nicht nur eine ornamentale Optik, sondern sorgen in der bewegten Außenperspektive auch für einen sogenannten Moiré-Effekt: ein wahrgenommenes Raster feiner Interferenzen, die in den Augen des Betrachters ein dynamisches Flimmern entstehen lassen. Damit erweckt der Zaun für Vorübergehende den Anschein, als würde er sich immer wieder öffnen und schließen. Eine ästhetische Grenz-Erfahrung und ein gelungenes Spiel mit der Wahrnehmung.

 

www.thomasfeichtner.com